Was eine Wohnmobil-Woche kostet: eine Rechnung zum Nachrechnen
Sprit, Maut, Stellplätze und die Posten, die im Urlaub gern vergessen werden. Mit offengelegten Annahmen statt gerundeter Pauschalen.
6 Min. Lesezeit · Stand 30. September 2026
Auf die Frage, was eine Woche im Wohnmobil kostet, gibt es zwei unbrauchbare Antworten: „kommt darauf an“ und eine runde Zahl ohne Herkunft. Diese Rechnung macht es anders. Sie legt jede Annahme offen, damit du deine eigenen Werte einsetzen kannst, und sie benutzt für den Sprit echte Landespreise statt Schätzungen.
Die Annahmen
- Route: Süddeutschland zum Gardasee und zurück, einschließlich Fahrten vor Ort, zusammen rund 1.400 Kilometer
- Fahrzeug: Teilintegrierter unter 3,5 Tonnen, 3 Meter hoch, Verbrauch 12 Liter Diesel auf 100 Kilometer
- Dauer: 7 Nächte, zwei Personen
- Spritpreise: Landesdurchschnitte der EU-Kommission vom 20. Juli 2026, also 2,158 Euro in Deutschland, 1,931 Euro in Österreich und 2,038 Euro in Italien je Liter Diesel
Nicht enthalten sind Lebensmittel, Restaurantbesuche, Eintritte und die Fixkosten des Fahrzeugs wie Versicherung, Steuer und Wertverlust. Die trägst du auch zu Hause.
Die Rechnung
| Posten | Grundlage | Betrag |
|---|---|---|
| Diesel | 168 Liter bei 12 l/100 km, gewichteter Länderpreis 2,05 Euro | 345 Euro |
| Vignette Österreich | 10-Tages-Vignette, Kategorie B | 12,8 Euro |
| Brennerautobahn A13 | Sondermaut, hin und zurück | 25 Euro |
| Streckenmaut Italien | rund 350 Autobahnkilometer in Klasse B | 32 bis 63 Euro |
| Übernachtungen | Annahme: 7 Nächte zu 20 bis 35 Euro, gemischt Stellplatz und Campingplatz | 140 bis 245 Euro |
| Gas, Strom, Entsorgung | Annahme: eine Gasflasche, Kurtaxe, Servicestationen | rund 30 Euro |
| Summe | eine Woche, zwei Personen | 585 bis 720 Euro |
Spritpreise: Weekly Oil Bulletin der Europäischen Kommission, Stand 20. Juli 2026. Maut: Tarifjahr 2026; Vignette und Brennermaut nach den Tarifen der ASFINAG (asfinag.at), Streckenmaut Italien als Spanne von 0,09 bis 0,18 Euro je Kilometer in Klasse B, dem Tarifband, mit dem auch der Planer schätzt (Grundlage: Tarife auf autostrade.it). Übernachtungen sowie Gas, Strom und Entsorgung sind grobe Annahmen ohne erhobene Quelle.
Wo die Spanne herkommt
Zwei Posten sind keine festen Zahlen, und das aus unterschiedlichen Gründen. Die Streckenmaut in Italien schwankt je Abschnitt: Flachland kostet spürbar weniger pro Kilometer als eine Bergstrecke mit Tunneln und Viadukten. Für ein Wohnmobil kommt dazu, dass es ab 1,30 Meter Höhe über der Vorderachse in Klasse B fällt, also nie den PKW-Tarif zahlt. Mehr dazu im Artikel Maut mit dem Wohnmobil.
Die Übernachtungen sind eine grobe Annahme, keine erhobene Zahl: 20 bis 35 Euro je Nacht für zwei Personen, gemischt aus Stellplatz und Campingplatz. Ein einfacher Stellplatz ohne Strom liegt am unteren Ende, ein Campingplatz am Gardasee in der Hauptsaison deutlich darüber.
Einen Anhaltspunkt für Campingplätze gibt die PiNCAMP-Preisanalyse 2026 des ADAC: In Italien kostet eine Nacht dort im Schnitt rund 39 Euro in der Nebensaison und 63 Euro in der Hochsaison, gerechnet für zwei Erwachsene und ein Kind samt Standplatz. Mit diesen Durchschnittspreisen rechnen der Planer und die Streckenseiten, deshalb liegen die Übernachtungen dort höher als in dieser Tabelle.
Die Posten, die gern vergessen werden
- Strom am Platz. Häufig nicht im Preis, sondern nach Kilowattstunde oder als Tagespauschale.
- Kurtaxe. Pro Person und Nacht, in Urlaubsregionen verbreitet und in keiner Platzangabe enthalten.
- Ver- und Entsorgung. Als grobe Annahme ein bis zwei Euro je Vorgang an einer Servicestation, alle zwei bis drei Tage fällig.
- Gas. Eine 11-Kilo-Flasche hält bei Sommerbetrieb mehrere Wochen, im Winter deutlich kürzer.
- Die Anfahrt zum Platz. Kleine Umwege summieren sich. Bei 12 Litern auf 100 Kilometer kostet jeder Umweg von 20 Kilometern rund fünf Euro.
Wie du deine eigene Zahl bekommst
Die Formel für den größten Posten ist simpel: Kilometer ÷ 100 × Verbrauch × Literpreis. Der Literpreis ist dabei kein einzelner Wert, sondern die Mischung der Länder, durch die du fährst, gewichtet nach der Strecke in jedem Land. Wer achthundert Kilometer durch Italien und zweihundert durch Österreich fährt, rechnet überwiegend mit italienischen Preisen.
Genau das nimmt dir der Planer ab: Spritkosten und Maut werden aus deiner Route, deinem Verbrauch und den aktuellen Landespreisen gerechnet, inklusive der Tankstopps, an denen du spätestens nachfüllen musst. Feste Beträge und Schätzspannen bleiben dabei getrennt, damit du siehst, welcher Teil der Summe sicher ist.
Direkt anwenden?
Rechne mit deinen eigenen Werten nach: München an den Gardasee im Planer, mit Sprit, Maut und Übernachtungen. Dort als einfache Strecke mit eigenen Etappen, also mit anderen Summen als in diesem Artikel.