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Maut mit dem Wohnmobil: Vignette, Streckenmaut und die Klassenfrage

Warum dein Wohnmobil in Italien in eine teurere Klasse fällt, wieso Slowenien eine Ausnahme macht und was sich über 3,5 Tonnen ändert.

7 Min. Lesezeit · Stand 30. September 2026

Maut ist in Europa kein System, sondern ein Dutzend. Für ein Wohnmobil kommt eine zweite Schwierigkeit dazu: Es ist meistens höher und schwerer als ein PKW und rutscht dadurch in Tarifklassen, die auf der Preistafel gern übersehen werden. Wer vorher weiß, wie die Einstufung zustande kommt, kalkuliert nicht nur genauer, sondern spart an einzelnen Stellen auch echtes Geld.

Drei Systeme, die man auseinanderhalten muss

Vignette: Du zahlst für Zeit, nicht für Strecke. Üblich in Österreich, der Schweiz, Slowenien, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Gekauft wird vor der Einfahrt, heute meist elektronisch über das Kennzeichen.

Streckenmaut: Du zahlst für gefahrene Kilometer, meist an Mautstationen. So arbeiten Italien, Frankreich, Kroatien, Spanien, Portugal und Griechenland. Der Preis hängt an der Fahrzeugklasse, und genau da wird es für Wohnmobile interessant.

Sondermaut: Einzelne Tunnel, Pässe und Brücken kosten zusätzlich, auch wenn du eine gültige Vignette hast. In Österreich betrifft das unter anderem die Brennerautobahn A13, die Tauernautobahn A10, die Arlberg Schnellstraße S16 sowie den Gleinalm-, den Bosruck- und den Karawankentunnel.

Die Klassenfrage: warum dein Womo teurer fährt

Bei Streckenmaut entscheidet nicht das Gefühl, sondern ein Maß. Meist ist es die Höhe, gemessen an einer festgelegten Stelle des Fahrzeugs, und die Schwellen liegen tiefer, als viele erwarten:

  • Italien: Klasse B beginnt bei 1,30 Meter Höhe über der Vorderachse. Praktisch jedes Wohnmobil liegt darüber, auch der kompakte Kastenwagen. Klasse A ist für dich also nie der Maßstab.
  • Kroatien: Kategorie II gilt ab 1,90 Meter Fahrzeughöhe. Auch das trifft jedes Wohnmobil.
  • Frankreich: Klasse 1 reicht bis 2 Meter, Klasse 2 bis 3 Meter, darüber oder über 3,5 Tonnen greift Klasse 3. Ein typischer Teilintegrierter mit 3 Metern liegt damit in Klasse 2, ein Fahrzeug mit Dachklimaanlage schnell darüber.

Einstufungen nach Tarifjahr 2026. Quellen: für Italien der Autobahnbetreiber Autostrade per l’Italia (autostrade.it), für Kroatien Hrvatske autoceste (hac.hr), für Frankreich die Autobahngesellschaften ASF, APRR und Sanef.

Der Unterschied zwischen zwei Klassen ist keine Kleinigkeit: Zwischen der PKW- und der Wohnmobilklasse liegen je nach Land und Strecke grob dreißig bis fünfzig Prozent Aufschlag. Auf einer Fahrt quer durch Italien summiert sich das auf einen zweistelligen Betrag.

Slowenien: die Ausnahme, die sich zu kennen lohnt

Slowenien teilt die leichten Fahrzeuge in Klasse 2A und 2B, und der Unterschied ist ungefähr der doppelte Preis. Maßgeblich ist die Höhe über der Vorderachse, aber mit einer entscheidenden Ausnahme: Als Wohnmobil zugelassene Fahrzeuge mit fest eingebauter Wohnausstattung bleiben in der günstigen Klasse 2A, auch wenn sie höher als 1,30 Meter sind.

Das ist die gute Nachricht für alle mit einer echten Wohnmobil-Zulassung. Die schlechte gilt für ausgebaute Kastenwagen ohne entsprechende Eintragung: Sie zahlen 2B, also etwa das Doppelte. Wer seinen Selbstausbau noch nicht als Wohnmobil eingetragen hat, hat hier ein handfestes Argument dafür.

Klassen, Ausnahme und Preisverhältnis nach Tarifjahr 2026. Quelle: der slowenische Autobahnbetreiber DARS (evinjeta.dars.si).

Über 3,5 Tonnen ändert sich alles

Die 3,5-Tonnen-Grenze ist die wichtigste Zahl in diesem Text. Oberhalb davon endet in vielen Ländern die Vignette, und es beginnt ein System für den Schwerverkehr, das nach Kilometern und oft nach Achszahl abrechnet:

  • Österreich: statt Vignette die fahrleistungsabhängige GO-Maut, abgerechnet über eine GO-Box im Fahrzeug
  • Schweiz: statt Vignette die pauschale Schwerverkehrsabgabe nach Gewicht und Aufenthaltstagen
  • Slowenien: die streckenbezogene DarsGo-Maut
  • Tschechien: die streckenbezogene Maut MYTO CZ

Wer ein Fahrzeug mit 3,49 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht fährt und über eine Auflastung nachdenkt, sollte diese Kosten in die Rechnung nehmen. Der Unterschied betrifft nicht nur die Maut, sondern in einigen Ländern auch Tempolimits. Der Planer benennt diese Systeme direkt an deiner Route, statt Beträge zu raten; die Einzelheiten stehen auf der Funktionsseite Routenplaner für Wohnmobile über 3,5 t.

Was das für die Planung heißt

Vignetten lassen sich auf den Cent genau kalkulieren, sobald klar ist, wie viele Tage du im jeweiligen Land bist. Streckenmaut lässt sich seriös nur schätzen, weil der Kilometerpreis innerhalb eines Landes schwankt: Flachlandabschnitte kosten deutlich weniger als Bergstrecken mit ihren Tunneln und Viadukten.

Deshalb rechnet die Mautabschätzung im Planer beides getrennt: feste Beträge für Vignetten und Sondermaut, eine Spanne für Streckenmaut. Wo keine belastbaren Tarife vorliegen, steht ein Hinweis statt einer Zahl. Die aktuellen Tarife werden dort gegen die Angaben der Betreiber gepflegt, was dieser Artikel bewusst nicht tut: Preise veralten, das System dahinter nicht.

Fünf Punkte für die Reisevorbereitung

  1. Fahrzeughöhe genau messen, inklusive Aufbauten. Sie entscheidet über die Mautklasse, nicht nur über die Durchfahrt.
  2. Zulassung prüfen: Steht „Wohnmobil“ in den Papieren, spart das in Slowenien die Hälfte.
  3. Vignetten vor der Grenze kaufen und auf Wartefristen achten: In Österreich gelten online gekaufte 2-Monats- und Jahresvignetten laut ASFINAG erst ab dem 18. Tag nach dem Kauf, Tages- und 10-Tages-Vignetten sofort (Stand Oktober 2026).
  4. Sondermautstrecken getrennt einplanen. Sie sind in keiner Vignette enthalten.
  5. Über 3,5 Tonnen die Systeme der Reiseländer einzeln nachsehen. Hier gibt es keine Faustregel.

Direkt anwenden?

Vignette, Brenner-Sondermaut und italienische Streckenmaut auf einer Route: München an den Gardasee, durchgerechnet.